Die Tage werden kürzer, am 25. Oktober wird die Uhr auf Winterzeit zurückgestellt – und der Berufsverkehr fällt wieder in die Dämmerung. Genau dann sind Rehe und Wildschweine unterwegs. Ob am Kottenforst, im Siebengebirge, an der Wahner Heide oder auf den Landstraßen im Rhein-Sieg-Kreis: Im Herbst steigt das Risiko eines Wildunfalls deutlich. Wir zeigen Ihnen, wie Sie vorbeugen, was nach einem Zusammenstoß zu tun ist und worauf es bei der Schadenmeldung ankommt.
Warum es im Herbst besonders häufig kracht
Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden 2024 rund 276.000 Wildunfälle mit kaskoversicherten Pkw gemeldet. Die Versicherer zahlten dafür mehr als 1,1 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Schaden stieg von etwa 3.850 auf rund 4.100 Euro – vor allem wegen höherer Ersatzteilpreise und Werkstatt-Stundensätze.
Besonders gefährlich sind laut ADAC die Monate April und Mai sowie Oktober bis Dezember. Das Risiko ist in der Dämmerung, bei Nacht und bei Nebel am größten, vor allem auf Strecken entlang von Wald und Feld. An etwa jedem zweiten Wildunfall ist ein Reh beteiligt.
So senken Sie das Risiko
- Nehmen Sie das Warnschild „Wildwechsel“ ernst und fahren Sie auf diesen Strecken langsamer und bremsbereit.
- Steht ein Tier am Straßenrand: bremsen, abblenden und hupen. Fernlicht blendet die Tiere, sie bleiben dann oft wie erstarrt stehen.
- Rechnen Sie mit Nachzüglern – Rehe und Wildschweine sind selten allein unterwegs.
- Weichen Sie nicht riskant aus. Lässt sich der Zusammenstoß nicht vermeiden, bremsen Sie stark und halten Sie das Lenkrad fest. Ein Ausweichmanöver endet schnell am Baum oder im Gegenverkehr.
Nach dem Zusammenstoß: Schritt für Schritt
1. Unfallstelle sichern
Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, ziehen Sie die Warnweste an und stellen Sie das Warndreieck auf. Ihre eigene Sicherheit geht vor.
2. Polizei rufen
Wählen Sie die 110. In Nordrhein-Westfalen schreibt das Landesjagdgesetz (§ 28a) vor: Wer mit einem Fahrzeug Schalenwild – etwa Reh, Hirsch oder Wildschwein – verletzt oder tötet, muss das unverzüglich bei der Polizei anzeigen. Das gilt auch, wenn das Tier geflüchtet ist. Die Polizei verständigt den zuständigen Jäger und stellt Ihnen eine Wildunfallbescheinigung aus.
3. Tier nicht anfassen und nicht mitnehmen
Verletzte Tiere können in Panik um sich schlagen. Halten Sie Abstand und überlassen Sie die Bergung dem Jäger. Das Tier mitzunehmen ist nicht erlaubt und kann als Wilderei gewertet werden.
4. Beweise sichern
Fotografieren Sie die Unfallstelle, das Tier und die Schäden am Fahrzeug – am besten aus mehreren Blickwinkeln und mit Details.
Praxis-Tipp: Erst dokumentieren, dann waschen und reparieren
Lassen Sie Wildspuren wie Haare oder Blut am Fahrzeug, bis der Schaden aufgenommen ist. Bewahren Sie die Wildunfallbescheinigung gut auf, melden Sie den Schaden zügig Ihrer Versicherung und stimmen Sie das weitere Vorgehen ab, bevor Sie einen Reparaturauftrag erteilen.
Was zahlt die Versicherung?
Schäden am eigenen Fahrzeug durch einen Zusammenstoß mit Haarwild sind in der Regel über die Teilkasko abgedeckt, die auch in jeder Vollkasko enthalten ist. Viele Tarife schließen inzwischen weitere Tierarten oder sogar „Tiere aller Art“ ein – ein Blick in Ihre Police lohnt sich. Laut GDV hat ein Wildunfall keinen Einfluss auf den Schadenfreiheitsrabatt. Wer nur eine Kfz-Haftpflicht hat, trägt den Schaden am eigenen Auto selbst.
Schwieriger wird es, wenn Sie einem Tier ausgewichen sind und es gar keine Berührung gab: Dann fehlt oft der Nachweis, dass Wild die Ursache war. Umso wichtiger sind Fotos, Zeugen und die Meldung bei der Polizei. Kommt es zum Streit über Ihre Ansprüche, ist ein Fachanwalt für Verkehrsrecht der richtige Ansprechpartner.
Warum sich ein genauer Blick auf den Schaden lohnt

Nach einem Wildunfall sieht der Schaden von außen oft harmlos aus: ein Riss im Stoßfänger, ein kaputter Scheinwerfer. Dahinter können jedoch Kühler, Träger, Halterungen oder die Sensoren der Fahrerassistenzsysteme beschädigt sein. Solche Schäden zeigen sich häufig erst, wenn das Fahrzeug fachkundig untersucht wird.
Ein Kfz-Sachverständiger hält den Schadenumfang, den Reparaturweg und den Fahrzeugwert nachvollziehbar und mit Fotos fest. Wichtig bei Kaskoschäden: Klären Sie vorab mit Ihrer Versicherung, wie die Begutachtung abläuft und wer sie beauftragt. Ein unabhängiges Gutachten kann Ihnen zusätzlich helfen, wenn Sie den Schaden neutral einschätzen lassen möchten oder Zweifel an einer Kalkulation haben.
Fazit: Ruhe bewahren, melden, dokumentieren
Ein Wildunfall lässt sich nicht immer verhindern. Wenn Sie die Unfallstelle sichern, die Polizei rufen und den Schaden gründlich dokumentieren, haben Sie eine gute Grundlage für die Schadenmeldung geschaffen.
Sie hatten einen Wildunfall in Bonn, Köln oder im Rhein-Sieg-Kreis und möchten den Schaden an Ihrem Fahrzeug begutachten lassen? Das Kfz-Sachverständigenbüro Rühlmann, Adenauerallee 4-6, 53113 Bonn, ist für Sie da:
- Telefon: 0178 564 2607
- WhatsApp: 0178 564 2607 – schicken Sie uns gern vorab Fotos des Schadens
- E-Mail: info@gtue-bonn.de
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich nach einem Wildunfall die Polizei rufen?
In Nordrhein-Westfalen ja, wenn Schalenwild wie Reh, Hirsch oder Wildschwein verletzt oder getötet wurde: Das Landesjagdgesetz verpflichtet Sie, den Unfall unverzüglich bei der Polizei anzuzeigen. Auch bei anderen Tieren ist der Anruf sinnvoll, denn die Polizei stellt die Wildunfallbescheinigung für Ihre Versicherung aus.
Was ist eine Wildunfallbescheinigung?
Sie bestätigt, dass sich ein Wildunfall ereignet hat. Polizei oder Jäger stellen sie aus. Die Bescheinigung erleichtert die Schadenmeldung bei Ihrer Kaskoversicherung.
Zahlt die Teilkasko jeden Unfall mit einem Tier?
Nicht automatisch. In der Regel sind Zusammenstöße mit Haarwild wie Reh, Wildschwein, Hirsch oder Fuchs versichert. Ob auch Unfälle mit Hunden, Pferden, Kühen oder Vögeln abgedeckt sind, hängt von Ihrem Tarif ab. Prüfen Sie Ihre Versicherungsbedingungen.
Darf ich das Auto nach dem Wildunfall sofort waschen oder reparieren lassen?
Besser nicht. Haare und Blut am Fahrzeug sind wichtige Spuren. Dokumentieren Sie den Schaden zuerst und stimmen Sie sich mit Ihrer Versicherung ab, bevor Sie die Reparatur beauftragen.
Soll ich einem Tier auf der Straße ausweichen?
Experten raten davon ab. Ein kontrollierter Zusammenstoß mit gebremstem Fahrzeug ist meist weniger gefährlich als ein Ausweichmanöver, das am Baum oder im Gegenverkehr endet.

